Zahnersatz

Dentists for Africa Kenya 2011

Am 1. Juli ging es los, der Flug führte von Hamburg über Amsterdam nach Nairobi, wo wir nach ungefähr zehn Stunden Flugzeit ankamen. Am nächsten morgen flogen wir weiter nach Kisumu am Lake Victoria. Hier wurden wir von Sister Laurenzia, einer Nonne des Franziskanerordens, und dem Fahrer Martin erwartet. Nach einer Stunde Autofahrt über zum Teil katastrophale Straßen und Lehmpisten kamen wir in Nyabondo an, unsere Heimat für die nächsten dreieinhalb Wochen. Nyabondo liegt auf einem Hochplateau in 1000 m Höhe über dem Lake Victoria. Die Temperaturen waren hier, auch wegen des Winters auf der Südhalbkugel, erträglich.

Unser Basiscamp war ein Hospital des Franziskanerordens „The Franciscan Sisters of St. Joseph", wo 1999 von den Dentists for Africa (vormals „Arzt und Zahnarzthilfe Kenia e.V.") eine zahnärztliche Station errichtet wurde. In den 3½ Wochen wurden montags, mittwochs und am Freitag so genannte „mobiles" unternommen, d.h. wir fuhren mit einer mobilen Dentaleinheit ins Umland (bis zu 2 Stunden Fahrt) um dann in Kirchen, Hospitälern oder auch unter freiem Himmel Zahnbehandlungen durchzuführen. Wir wurden von Florence, einer „oral health officer" begleitet, einer sogenannten „little dentist", die selbstständig zahnmedizinisch arbeitet und Dr. Audi, einem kenianischen Augenarzt, der auch sehr viel zu tun hatte. Es wurden hier meistens Erwachsene behandelt und vor allem kleinere Füllungen gemacht und Zähne extrahiert. Wenn möglich, wurde von Jessica Behr Prophylaxen durchgeführt.

In einem Umkreis von mehr als 100 km gab es keine Zahnärzte, sodass die Patienten meistens lange Tagesmärsche auf sich nahmen, um uns zu erreichen. Diese Einsätze dauerten meistens den ganzen Tag von 7 Uhr in der früh bis manchmal 21 Uhr abends. Am Dienstag und Donnerstag wurde dann im Hospital von Nyabondo gearbeitet, wo wir meistens Schulklassen behandelten, die im Vorfeld untersucht worden waren und zur Behandlung einbestellt wurden. Die Behandlung für die Schulkinder wird ganz von der Organisation „Dentists for Africa" übernommen. Erwachsene müssen einen kleinen Obolus entrichten (z.B. betragen die Kosten für eine Zahnentfernung 200 Keniashilling, was ungefähr 2 Euro entspricht, für eine Füllung 300 Keniashilling). Da die Arbeitslosigkeit in der Gegend um Nyabondo bis zu 80% beträgt, waren auch diese Beträge manchmal nicht bezahlbar, sodass sie dann von uns persönlich entrichtet wurden. Die HIV-Infektionsrate in der Bevölkerung liegt im Augenblick bei 17%. Man muss davon ausgehen, dass jede Familie von dieser katastrophalen Erkrankung betroffen ist. AIDS ist auch der Grund für die dramatische Zahl der Waisenkinder, da die Elterngeneration wegstirbt.

Für mich persönlich war dieser Einsatz einer der interessantesten, aber auch einer der schwersten. Einerseits war ich begeistert von den Menschen, die trotz aller Widrigkeiten nicht den Mut und ihre Fröhlichkeit verlieren, sich aber vor allem auch andere Notleidende zu unterstützen. Dies geschah meistens mit Hilfe eines tiefen Glaubens an Gott und Jesus Christus. Andererseits war ich erschüttert von den menschlichen Tragödien, die sich hier abspielen. Eine Großmutter die sich nach dem Tode ihres Sohnes und der HIV-Erkrankung ihres zweiten Sohnes und seiner Frau um die 6 Kinder beider Söhne und um ihren schwerkranken Mann kümmern musste. Da die mittlere Lebenserwartung in Kenya 46 Jahre (lt. Welthungerhilfe) beträgt und sie sich wegen der AIDS Problematik im Jahre 2015 vermutlich auf 29 Jahre absenken wird, kann man sich vielleicht vorstellen, welch unermessliche Aufgabe auf dieser Frau lastet. Die vielen Fälle der Korruption, wie z.B. die häufigen Polizeisperren, an denen man eigentlich nur zur Kasse gebeten wurde. Auch der Anblick der sich mir in einem Behindertenheim für Kinder darbot, war anfänglich kaum zu ertragen. Die unermessliche Freude der Kinder, wenn ich diese besuchte und mit ihnen spielen konnte, war Glück und Schmerz gleichzeitig, da ich wusste, dass ich in drei Wochen wieder von ihnen gehen würde.

Durch die Dürre- und Flüchtlingskatastrophe in Somalia und Nord-Kenia gibt es eine massive Nahrungsmittelknappheit. Der Preis z.B. für Maismehl, welches für Ugali (das Hauptnahrungsmittel, eine Art Maisbrei) benötigt wird, hat sich innerhalb kürzester Zeit verdoppelt, von 70 Keniashilling auf jetzt 150 Keniashilling, Tendenz steigend. Da man die Kinder nicht mehr ernähren konnte, wurden die Schulen und auch das Behindertenheim zwei Wochen früher geschlossen. Joshua, ein 12-jähriger Junge, der an Muskeldystrophie leidet, sagte mir, er wäre sehr traurig, da es zuhause nicht genug zu essen gäbe und er würde so gerne weiter zur Schule gehen. Ich habe ihm und seiner kleinen Freundin Judith versprochen, wiederzukommen und ihnen englische Zeitschriften mitzubringen, da die beiden so gerne lesen und diese eben fehlten.

Wir konnten in diesen drei Wochen vielen Menschen helfen und haben viele neue Freunde gewonnen. Gleichzeitig haben wir sehr viel Dankbarkeit erfahren. Für mich steht fest, dass ich wieder nach Kenya fahren werde, nicht nur um zahnmedizinisch zu behandeln und Menschen zu helfen, sondern viel mehr um die Prophylaxe in den Schulen voranzutreiben und um Zahnschäden bei den Kinder zu vermeiden. Denn wenn ein Kind ohne größere Zahnschäden aufwächst und eine adäquate Schulbildung bekommt, kann sich seine Zukunft vielleicht zum Besseren wenden. Das Land und die Leute sind wunderbar. Aber auch weil ich es Joshua und Judy versprochen habe, um mit ihnen zu spielen und ein Lachen auf ihre Gesichtern zu zaubern.

Die Arzt- und Zahnarzthilfe Kenia e.V., heute Dentists for Africa genannt, wurde 1999 von Thüringer Zahnärzten gegründet und hat mittlerweile in ganz Deutschland Mitglieder. Das vorrangige Ziel ist es, die zahnärztliche und medizinische Versorgung in Armutsgebieten Kenias zu ermöglichen und die mittellose Bevölkerung zu unterstützen. Es gibt drei Hauptaufgaben:

1. Die zahnärztliche Versorgung
Es wurden bisher acht zahnärztliche Praxen in Zusammenarbeit mit kenianischen Franziskanerinnen und drei zahntechnische Laboratorien eingerichtet, um die arme Landbevölkerung Westkenias in Nyabondo, Kaplomboi und Asumbi und die Slumbewohner und notleidenden Menschen von Nairobi, Kisumu und Nakuru zu versorgen. Die meisten Menschen können sich aufgrund ihrer großen Armut und fehlenden Krankenversicherungen keine Behandlung leisten. Außerdem gibt es kaum einheimische Zahnärzte. Bisher haben zirka 300 Zahnärzte, Ärzte, Krankenschwestern, Zahnarzthelferinnen und Zahntechniker uneigennützig Hilfseinsätze in den kenianischen Praxen und Krankenhäusern absolviert. Dentists for Africa sorgt weiterhin für die Bereitstellung von zahnärztlichen Materialien und Instrumenten, unterstützt die Erhaltung der Behandlungsgeräte und die fachliche Ausbildung des Krankenhauspersonals. Außerdem werden Prophylaxeprojekte aufgebaut, um Zahnkrankheiten besonders bei Schulkindern zu vermeiden. Durch Gruppenprophylaxe, kontinuierliche Reihenuntersuchungen in Schulen, anschließende zahnärztliche Behandlung und Individualprophylaxe der Kinder in den Dental Units wird die Sensibilität für Zahn- , Mund- und Kiefererkrankungen erhöht. Die Einsicht für eine adäquate Mundhygiene bewahrten zahlreiche Kinder vor den Folgeschäden der Zahnerkrankungen. Es werden einheimische Krankenschwestern und Ärzte einbezogen, die sich unter anderem um Aufklärung über AIDS, Malaria, Haut- und Augenkrankheiten bemühen. Weiterhin werden kenianische Zahnärzte, die in den eingerichteten Stationen arbeiten, unterstützt und das Zahnmedizinstudium einer kenianischen Franziskanerin in Kampala (Uganda) finanziert, die später in den Zahnarztpraxen und in der Ausbildung kenianischen Fachpersonals tätig sein wird. Das Ziel ist es, dass die zahnärztlichen Behandlungen in naher Zukunft durch die Kenianer selbst abgesichert werden können.
 Alle Kinder erhalten vom Verein eine Zahnbürste und eine Zahncreme als Geschenk, die von der verantwortlichen Nonne in Kenia gekauft werden. Eine vom Direktor der Schule unterschriebene Bestätigung der Verteilung an die Kinder ist zur Erstattung dieser Kosten nötig.

Für die umliegenden Schulen in Nyabondo, aber auch in Nakuru, Kasarani und Kisumu findet kontinuierlich ein Präventionsprogramm zwei mal jährlich statt. In Nyabondo gibt es zudem einen sehr interessierten Elternkreis, für den sich auch eine Prophylaxeunterweisung mit entsprechenden Informationen über Infektionswege und keimreduzierende Maßnahmen eignet. Ein vorrangiges Ziel ist es, für dieses Prophylaxekonzept einheimische Lehrer und Verantwortliche zu finden, die voll und ganz hinter dieser Sache stehen. Die richtigen Partner dafür zu finden, zu überzeugen und zu motivieren, wird die Herausforderung der nächsten Jahre sein, auch unter Einbeziehung der Eltern.

2. Unterstützung von Waisenkindern (Patenschaftsprojekt)
Bedingt durch die HIV/ AIDS- Epidemie gibt es in Kenia ungezählte Waisenkinder, die in unbeschreiblicher Not und Armut leben und keine Lebensperspektive haben. In Nyabondo, einem ländlichen Gebiet in der Nähe von Kisumu am Lake Viktoria, ist die Situation noch etwas besser. Durch die überschaubaren Strukturen finden die Waisenkinder häufig Unterkunft und Nahrung bei einem Teil der noch zusammenhaltenden, zumeist kinderreichen Familien – doch sie werden zunehmend zum Problem. Durch die geringe Ertragssituation der sehr kleinen landwirtschaftlichen Familienbetriebe kann kaum der eigene Bedarf gedeckt werden und es bleibt nahezu nichts mehr zum Verkauf. Andere Verdienstmöglichkeiten sind durch die hohe Arbeitslosigkeit für die meisten Familien nicht gegeben. Andere Waisen stehen allein da oder verwaisen durch den Tod von Onkel bzw. Tante zum zweiten oder gar dritten Mal und müssen sich als „Familienoberhaupt" um ihre kleinen Geschwister kümmern.

Der Schulbesuch, die Basis für jede zukünftige Entwicklung des Kindes, wird zum größten Problem. Kenia hat ein gut ausgebautes, am englischen Vorbild orientiertes Schulsystem. Es besteht eine Schulpflicht wie bei uns, doch muss vor dem Schulbesuch eine Schuluniform angeschafft und auch vieles andere bezahlt werden. Gerade schon für diese Erstausstattung ist oft kein Geld vorhanden. Deshalb werden Paten gesucht, die für Schulgeld, eine Krankenversicherung und lebensnotwendige Ausgaben (bis 360 € pro Jahr + 10 € Krankenversicherung) eines Waisenkindes aufkommen können.

3. Selbsthilfeprojekte von Witwen
Durch die bei dem Volk der Luos übliche Witwenvererbung und der daraus folgenden noch rasanterer Ausbreitung des HIV-Virus blieben Frauen, die sich diesem Dogma widersetzten, mittellos zurück. Auf Initiative von Sister Pauline organisierten sich Hunderte von Witwen in Selbsthilfegruppen, um in „Income Generating Activities", wie z.B. Hühnerzucht, gemeinsame Feldarbeit, Körbe flechten und Ähnliches etwas Geld zu verdienen. Dentists for Africa unterstützt diese Gruppen seit 2002 mit offen ausgezahlten Spenden. Nach dem Kauf von Land für die Witwen begann 2003 der Aufbau des Witwen- und Waisendorfs St. Monica-Village, in dem bisher eine Schneiderei, ein Petroleumshop, eine Gaststätte, eine Bücherei, ein Officegebäude und mehrere kleine Häuser für Notleidende errichtet wurden. Etwa 800 meist junge und HIV-positive Witwen haben sich in Selbsthilfegruppen organisiert und betreiben Projekte, die ihnen, ihren eigenen und den vielen angenommenen Kindern zum Überleben helfen. Hier unterstützt Dentists for Africa durch offene und transparente Auszahlung von Spendengeldern den Aufbau des Witwendorfes St. Monica-Village mit Schneiderei, Armenspeisung, einer Bibliothek u.a. für Schulbücher, Häusern für Waisenkinder und demnächst einer Schusterwerkstatt. Da die Spenden direkt an die Schwestern des Franzikanerordens geleitet werden und diese das Geld dann an die Hilfsbedürftigen weiter verteilen, ist so gewährleistet, dass das Geld dort ankommt, wo es benötigt wird und nicht - wie es so häufig der Fall ist - in verschiedenen Kanälen versickert.

Interessierte können weitere Informationen zum Thema beim Autor des Beitrages erhalten.

 


Kategorie: | Datum: 22 April, 2016

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